Westdeutsche Zeitung, 25. Oktober 2006
Neue Konzepte, neues Selbstbewusstsein: Wie sich Wuppertal vermarkten will
Das Land wird auf Wuppertal schauen
Seit Juni 2005 vermarktet die Wuppertal Marketing GmbH (WMG) die Stadt. Die WZ sprach mit Geschäftsführer Georg Sander über Stand und Ziele der WMG.
Das Interview führte Klaus Wieschemeyer.
WZ: Herr Sander, war die Fußballmeile in Barmen ein Erfolg?
Sander: Wuppertal hat gut daran getan. Wir haben mit der Meile viel erreicht. Wir machten in Wuppertal möglich, was andere Großstädte nicht schafften. Die Meile war ein Erfolg.
WZ: . . . aber Gewinn hat das Public Viewing nicht abgeworfen.
Sander: Wir sehen das als Investment. Veranstaltungen wie die Fußballmeile oder unsere Veranstaltungen im Rahmen der Bergischen Expo erhöhen wir die Standortbekanntheit. Wir werden Wuppertal stärker über Events positionieren und haben die ersten Schritte hierzu gemacht.
WZ: Sind wir nicht bekannt genug?
Sander: Es fällt vielen zum Thema Wuppertal nur die Schwebebahn ein. Die ist toll, keine Frage. Aber wir haben mehr zu bieten.
WZ: Die Schwebebahn wurde zum sechstschönsten Ort Deutschlands gewählt. Merkt man das?
Sander: Ja. Allein nach der Sendung haben wir 30 zusätzliche Kaiserwagenfahrten verbucht. Da wird einem schon schwindelig.
WZ: Ein Boom, den viele Wuppertaler durch ihre Stimmen befeuert haben . . .
Sander: Das zeigt, dass es viele gibt, die ihre Stimme der Stadt geben. Die Wahl ist auch Beleg der Heimatverbundenheit.
WZ: Haben diese Aktionen ZDF-Wahl, Pinguinale, Expo nachhaltige Wirkung?
Sander: Ja, wenn wir immer wieder etwas anbieten. Stadt und WMG haben sich deshalb bewusst um den NRW-Tag 2008 beworben. Das Land wird auf Wuppertal schauen. Das ist eine Chance, die Stadt zu präsentieren wie nie zuvor. Außerdem denken wir über kleinere Events nach, mit denen wir uns positionieren.
WZ: Ist der NRW-Tag so toll?
Sander: Die Besucherzahl wird deutlich sechsstellig sein. Wir werden unseren Besuchern ein tolles Fest bieten und ein modernes Bild der Stadt präsentieren.
WZ: Und wie?
Sander: Wahrscheinlich werden wir Angebote entlang der Schwebebahn, die die Orte per Perlenkettenprinzip verbindet, platzieren. Uns schwebt das Thema „Mobilität” vor. Das steht für Aufbruch, Flexibilität und Innovation. Wir wollen auch zeigen, was für ein toller Wirtschaftsstandort Wuppertal ist.
WZ: Also geht es ums Image.
Sander: Wir müssen den Leuten Bilder in die Köpfe bringen, was Wuppertal zu bieten hat.
WZ: Hat Wuppertal einen schlechten Ruf?
Sander: Die Menschen sind nicht negativ eingestellt. Sie wissen zu wenig. Als ich herkam, war mir auch nicht klar, was es hier gibt.
WZ: Warum ist unsere Stadt nicht bekannter?
Sander: Es ist auch ein Problem der Lage. Kleinere Städte wie Saarbrücken, Koblenz oder Kiel sind unbestrittene Zentren, weil sie nicht mit Nachbarstädten konkurrieren. Wuppertal vergleicht sich oft mit Köln oder dem ganzen Ruhrgebiet...
WZ: ....oder Düsseldorf.
Sander: Der Vergleich ist verzerrt. Düsseldorf spielt als Landeshauptstadt eine andere Rolle. Wir sollten nicht versuchen, uns gleichzusetzen. Wir sind anders und haben viele stille Reserven und verborgene Schätze.
WZ: Wo liegt die Chance?
Sander: Wir wollen Wuppertal regionaler positionieren. In Nachbarstädten brechen Angebote weg. Den Bewohnern dort sollten wir ein Angebot zum Einkaufen machen. Wir müssen sagen, was unsere Stadt zu bieten hat. Unsere Ansprechpartner sind unsere Nachbarn. Da ist noch viel Potenzial.
WZ: Können wir denn in Sachen Einkauf was bieten?
Sander: In Elberfelds Innenstadt passiert viel: Denken Sie an den Döppersberg oder das ehemalige Hertie-Haus. Hier ist viel im Entstehen.
WZ: Das beim bergischen Klein-klein?
Sander: Was die bergische Identität angeht, ist viel gewachsen. So etwas wie die Bergische Expo hätte es vor ein paar Jahren nichtgegeben. Aber alle drei Städte tun gut daran, den Prozess der Regionale weiterzuführen.
WZ: Es gab Kritik, es gebe zu viele Veranstaltungen gleichzeitig.
Sander: Wir sind eine Großstadt. Die vielen Veranstaltungen sind ein Zeichen, dass im Tal viel los ist. Aber nehmen die Kritik an und starten eine Koordinierungsplattform für Veranstalter.
WZ: Wie geht es mit der WMG voran, nachdem Mitgeschäftsführer Kletzander seinen Rückzug angekündigt hat.
Sander: Derzeit haben wir 26 Gesellschafter aus der Wirtschaft. Diese Zahl werden wir wohl bald erhöhen können. Ich denke, die WMG ist auf einem guten Weg.
WZ: Bleiben Sie alleiniger Geschäftsführer?
Sander: Das wird die Gesellschafterversammlung am 7. November entscheiden.
WZ: Zentral für die WMG ist auch die „Keiner wie wir”-Kampagne. Zufrieden?
Sander: Wir haben seit dem Start im Dezember 2005 bisher 220 Adjektive verkauft, überwiegend an Firmen. Wir denken an Stempel oder Aufsteller. Auch die T-Shirts verkaufen sich gut, besonders die mit „bergisch” und „schwebend”.
WZ: Was wird ein Auswärtiger im Jahr 2015 über Wuppertal denken?
Sander: Ihm wird einfallen, dass Wuppertal eine Stadt ist, die er bisher unterschätzt hat. Er wird immer noch an die Schwebebahn denken, aber auch wissen, dass das nicht alles ist, was die Stadt ausmacht.
WZ: Und ein Wuppertaler?
Sander: Der Wuppertaler wird nach außen selbstbewusster auftreten als er das vielleicht bisher getan hat. Er wird Wuppertal mit Überzeugung als eine Stadt darstellen, die viel zu bieten hat. Dies Selbstbewusstsein fehlt heute oft.